Brauchtum

Die Kerwe – erklärt

Kein Pfälzer Fest ist so urig wie die Kerwe. Doch was bedeuten Kerwebaum, Kerweredd und Straußjugend eigentlich? Eine kleine Brauchtumskunde – für Zugezogene, Heimkehrer und alle, die mitreden wollen.

Kerwe – mancherorts auch Kerb oder Kirchweih – ist das Fest zur Weihe der Dorfkirche. Längst geht es um mehr als die Kirche: Die Kerwe ist das Fest des Dorfes schlechthin, der eine Termin im Jahr, an dem alle zusammenkommen. Jedes Dorf hat seine eigene Kerwe, sein eigenes Wochenende, seine eigenen Bräuche – und alle eint ein Satz: „Hauptsach gudd gess."

Die vier Säulen der Kerwe

Ohne diese vier ist es keine echte Kerwe.

Der Kerwebaum

Hoch über dem Festplatz steht der Kerwebaum – eine geschmückte Fichte oder Tanne mit buntem Strauß und Bändern an der Spitze. Sein Aufstellen läutet die Kerwe ein, sein Umlegen beendet sie. Wer ihn aufstellt, hat das Sagen über das Fest.

Die Straußjugend

Die ledige Dorfjugend – Straußbuben und Straußmädels – richtet die Kerwe aus: Baum stellen, Strauß binden, Geld sammeln, feiern. Der „Strauß" gibt ihnen den Namen, und in vielen Dörfern ist es eine Ehre, ein Jahr lang dabei zu sein.

Die Kerweredd

Der Höhepunkt: eine gereimte, derbe Spottrede im Dialekt, gehalten am Kerwebaum. Sie nimmt aufs Korn, was im Dorf das Jahr über schiefging – jeder Reim endet mit dem Ruf „Ihr Leit, die Kerwe is do!". Keiner ist davor sicher, alle lachen mit.

Kerwe vergrabe

Am letzten Abend wird die Kerwe zu Grabe getragen – verkörpert durch die Kerweschlumpel, eine Strohpuppe. Mit Trauerzug, Tränen und einer letzten Lachrede wird sie vergraben oder verbrannt. Bis nächstes Jahr.

So läuft eine Kerwe ab

Vier Tage zwischen Baumstellen und Beerdigung – der klassische Ablauf.

  1. Freitag

    Kerwebaum stellen

    Die Straußjugend richtet den geschmückten Baum auf dem Festplatz auf – oft in Handarbeit, mit Stangen und viel „Hau-ruck".

  2. Samstag

    Eröffnung & Tanz

    Fassbieranstich, Blasmusik oder Band, der erste Schoppen. Die Kerwe ist offiziell eröffnet.

  3. Sonntag

    Die Kerweredd

    Frühschoppen, Festumzug und am Nachmittag die große Spottrede am Kerwebaum.

  4. Montag

    Kerwe vergrabe

    Der wehmütig-fröhliche Abschluss: Die Kerweschlumpel wird beerdigt, der Baum gefällt.

So klingt eine Kerweredd
„Un was im Dorf des Johr passiert,
des werd jetzt all hier ausplaudiert.
Doch eens, des is gewiss un wohr:
Ihr Leit, die Kerwe is do!"

Spottend, gereimt und im Dialekt – die Kerweredd lebt vom Lokalkolorit. Wer einen Begriff darin nicht versteht, wird im Glossar fündig.

Kerwe in deiner Nähe?

Finde die nächste Kerwe in der Pfalz – oder stöbere im Dialekt-Glossar.