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Der Kerwemontag – warum Pfälzer Kerwen erst montags aufhören

98 von 191 Pfälzer Kerwen enden an einem Montag, 86 dauern genau vier Tage von Freitag bis Montag. Woher der Kerwemontag kommt, was am letzten Abend passiert – und warum der Montag der schönste Tag zum Hingehen ist.

PF pfalzfeste.de 23. September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein Muster, das man erst sieht, wenn man alle zählt

Wer eine einzelne Kerwe besucht, hält den Kerwemontag für eine nette Zugabe. Wer 191 Pfälzer Kerwen nebeneinanderlegt, sieht etwas anderes: Er ist der Normalfall.

  • 135 von 191 beginnen an einem Freitag – 71 Prozent. Weitere 46 starten samstags, der Rest verteilt sich auf sechs Donnerstage und zwei Montage.
  • 98 enden an einem Montag, 39 sogar erst am Dienstag. Nur 52 hören sonntags auf.

86 Kerwen dauern genau vier Tage – Freitag bis Montag. Das ist die mit Abstand häufigste Form, häufiger als die dreitägige (61) und weit häufiger als das reine Wochenende. Zusammengerechnet enden fast drei Viertel aller Kerwen erst, wenn andernorts längst abgebaut ist.

Warum ausgerechnet der Montag

Die Erklärung steckt nicht im Fest, sondern in der Woche davor. Das alte Kirchweihfest folgte einem festen Ablauf: Am Donnerstag wurde geschlachtet, am Freitag gebacken, am Samstag kamen Haus und Hof in Ordnung. Der Sonntag gehörte dem Gottesdienst und der Familie – man empfing Verwandtschaft, man aß gut, man blieb daheim.

Zum ausgelassenen Feiern blieb damit erst der Montag. Er galt vielerorts als Halbfeiertag, der Kehraus fiel auf ihn. Und der Dienstag war der Tag des Abschieds: Da wurde die Kerwe begraben.

Was heute wie ein verlängertes Wochenende aussieht, ist also die Restform eines Ablaufs, der sich am Arbeitsjahr orientierte – nicht an der Freizeit.

Was am letzten Abend passiert

Der Schluss ist der eigentliche Höhepunkt, und er ist in der Pfalz erstaunlich einheitlich.

Die Straußbuwe oder Kerweborsch halten die Kerweredd – eine Rede, meist in Reimform, die Ereignisse und Begebenheiten aus dem Dorf des vergangenen Jahres aufgreift. Wer im Ort etwas angestellt hat, hört es dort wieder, mit Publikum. In unserem Kalender ist sie zum Beispiel bei der Wildsaukerwe in Gräfenhausen ausgewiesen.

Danach wird die Kerwe begraben. Vielerorts trägt man eine Puppe zu Grabe, in der Pfalz je nach Gegend Kerweschlumbl oder Kerweliesl genannt. Bei der Ruchheimer Kerwe heißt es dazu im Programm schlicht: „Wanns dunkel is“ – dann zieht der Trauermarsch mit der Kerwebeerdigung über das Festgelände.

Das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde beschreibt außerdem einen Brauch, der die Sache schön rundet: Zu Beginn der Kerwe wird die im Vorjahr beerdigte Kerwe wieder ausgegraben – meist in Gestalt einer Flasche.

Dazu kommen der Kerwestrauß, der sonntags präsentiert und am Wirtshaus angebracht wurde, und der Umzug: 15 Kerwen in unserem Kalender führen einen, sieben davon ausdrücklich als „Kerweumzug“.

Kein kleines Fest

Der Volkskundler Wilhelm Heinrich Riehl nannte die Kirchweih in den 1850er Jahren den „Glanztag des pfälzischen Volkslebens“, der Historiker Ludwig Schandein den „stehenden goldenen Tag im Kalender des ländlichen Lebens“. Das ist keine Übertreibung aus der Rückschau: Für ein Dorf war die Kerwe das Ereignis des Jahres.

Wann Kerwe ist – und wie lang

Die Termine folgen bis heute dem alten Muster. 62 Kerwen beginnen im August, 51 im September; zusammen mit Oktober und November sind das 68 Prozent aller Termine. Genau diese Verlagerung in Spätsommer und Herbst lässt sich laut dem Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen.

Bei der Dauer sind die heutigen Feste allerdings ausgreifender als die historischen. Für früher werden „zwischen einem und vier Tagen“ angegeben – in unserem Kalender überschreiten 28 Kerwen diese Spanne. Die längsten:

  • Deidesheimer Weinkerwe – 12 Tage
  • Osterkirmes Kusel – 11 Tage, und als einzige im April
  • Lautrer Oktoberkerwe – 11 Tage

Die meisten Kerwen hat übrigens Neustadt an der Weinstraße mit zehn – kein Widerspruch, sondern eine Folge der vielen Ortsteile, die alle ihre eigene feiern. Bad Dürkheim kommt auf sieben.

Der praktische Teil: geht montags hin

Wenn Sie einen Rat aus diesen Zahlen mitnehmen, dann diesen. Der Freitag ist die Eröffnung, der Samstag der volle Tag, der Sonntag gehört den Familien. Der Montag gehört dem Dorf.

Die Busreisenden sind weg, die Musik ist leiser, an den Tischen sitzen die Leute, die hier wohnen. Wer wissen will, wie eine Pfälzer Kerwe eigentlich gemeint ist, kommt am vierten Tag – und bleibt bis zum Trauermarsch.

Kerwe, Kerb oder Kirchweih?

In der Pfalz ist die Sache eindeutig. In 106 unserer Veranstaltungstitel steht Kerwe, nur viermal Kirchweih, je einmal Kerb und Kirwe. Die Varianten Kerb und Kirwe sind in unserem Bestand also Ausnahmen — wo genau die Grenze zu den Nachbarregionen verläuft, sagen unsere Daten nicht, weil wir nur Termine in der Pfalz führen.

Alle Termine

Den vollständigen Überblick samt Saisonverlauf gibt der Pfälzer Kerwe-Kalender. Wer wissen will, welche Kerwe von zu Hause aus am nächsten liegt, findet das über Kerwe in der Nähe; alle Termine stehen in der Kategorie Kerwe.

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Redaktion bei pfalzfeste.de – schreibt über Wein, Tradition und die schönsten Plätze der Pfalz.

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FAQ

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Kerwemontag?

Der letzte Tag vieler Pfälzer Kerwen. In unserem Kalender enden 98 von 191 Kerwen an einem Montag, weitere 39 erst am Dienstag. Traditionell ist es der Tag des Kehraus – und vielerorts der Abend, an dem die Kerwe symbolisch begraben wird.

Warum dauert eine Kerwe bis Montag?

Das stammt aus dem Ablauf des alten Dorffests: Donnerstag wurde geschlachtet, Freitag gebacken, Samstag geputzt, der Sonntag gehörte der Familie. Für das ausgelassene Feiern blieb der Montag, der vielerorts als Halbfeiertag galt.

Was ist eine Kerweredd?

Eine humorvolle, meist gereimte Rede der „Straußbuwe“ oder „Kerweborsch“, in der Ereignisse aus dem Dorfjahr aufgegriffen werden. Sie gehört zu den Höhepunkten der letzten Kerwetage.

Wann ist Kerwe-Saison in der Pfalz?

Der Schwerpunkt liegt im Spätsommer und Herbst: 62 unserer Kerwen beginnen im August, 51 im September. Insgesamt liegen 68 Prozent zwischen August und November – ein Muster, das laut dem Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde seit dem 16. Jahrhundert besteht.

Heißt es Kerwe, Kerb oder Kirchweih?

In der Pfalz fast immer Kerwe. In 106 unserer Veranstaltungstitel steht „Kerwe“, nur viermal „Kirchweih“ und je einmal „Kerb“ und „Kirwe“.